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Mutterlitho: Wie aus einer kleinen Vorlage ein grosses Plakat wird.

24,5 × 35 cm – diese unscheinbare Grösse steckt hinter vielen grossen Schweizer Plakaten. Wer früher in der Druckvorstufe gearbeitet hat, kennt den Begriff «Mutterlitho» noch. Heute begegnet er uns seltener. Seine Spuren finden sich aber weiterhin in den Vorgaben für digitale Druckdaten.

Ich bin kürzlich wieder über diesen Begriff gestolpert. Dabei ist mir aufgefallen, wie viel Druckwissen hinter einem Wort steckt, das heute wohl vielen nichts mehr sagt.

Besonders spannend: Ein F4-Plakat und ein deutlich grösseres F200-Plakat können dasselbe verkleinerte Datenformat haben. Wie kommt das?

Was ist ein Mutterlitho?

Ein Mutterlitho war eine im Kleinformat hergestellte fotografische Druckvorlage für eine spätere Grossvergrösserung, etwa für ein Plakat. Die Herstellung im kleineren Format hatte technische und wirtschaftliche Vorteile: Die Vorlage war handlicher und bildete die Grundlage für die weiteren Produktionsschritte. 

Im klassischen Produktionsablauf wurden die verkleinerten Filme auf das benötigte Plakatformat projiziert. Daraus entstanden die Endfilme für die Druckformherstellung; alternativ konnte die Projektion direkt auf die Druckplatte erfolgen. 

Das «Mutter»-Litho war damit die Ausgangsvorlage, aus der das grosse Druckbild hervorging.

Der Film verschwand. Das Format blieb.

Heute entstehen Plakate aus digitalen Daten. Ein physischer Mutterlitho-Film gehört nicht mehr zum üblichen digitalen Produktionsablauf.

Das Arbeiten in einem verkleinerten Format ist jedoch geblieben. Deshalb findet man den Begriff «Mutterlitho-Format» weiterhin in Druckunterlagen – nun als Bezeichnung für die Grösse, in der ein Layout angelegt wird.

Ein Begriff aus der analogen Druckvorstufe lebt also im digitalen Alltag weiter.

Zwei Plakatgrössen, ein Datenformat

Für die Schweizer Formate F4 und F200 ist 24,5 × 35 cm ein etabliertes verkleinertes Layoutformat. Die fertigen Plakate unterscheiden sich dagegen deutlich:

Plakattyp Verkleinertes Datenformat Fertiges Papiermass
F4 – Weltformat 24,5 × 35 cm 89,5 × 128 cm
F200 – Cityformat, Nassplakat 24,5 × 35 cm 116,5 × 170 cm
F200L – Cityformat, Leuchtplakat 24,5 × 35 cm 119 × 170 cm

Das Überraschende daran: Die Grösse der Layoutdatei verrät noch nicht, wie gross das fertige Plakat wird. Dafür muss bekannt sein, welches Endformat produziert werden soll.

Allerdings sind die Seitenverhältnisse nicht bei allen Varianten exakt gleich. Besonders beim F200-Nassplakat braucht es eine entsprechende Formatanpassung. Ein gemeinsames Datenformat bedeutet deshalb nicht, dass man jede Variante einfach proportional vergrössern kann.

Warum die Bildauflösung zum Massstab passen muss

Beim Vergrössern verteilen sich die vorhandenen Bildpunkte auf eine grössere Fläche. Die effektive Auflösung sinkt.

Ein Beispiel: Wird ein Bild ungefähr auf das Fünffache vergrössert, bleiben von 400 dpi im kleinen Layout rund 80 dpi im fertigen Plakat übrig.

Um also im Endformat 120 dpi zu erhalten, muss die Auflösung im Mutterlitho-Format, um einiges viel höher sein.
Bei einer ungefähr fünffachen Vergrösserung wären dafür rund 600 dpi im kleinen Layout erforderlich.

Entscheidend ist die tatsächliche Auflösung des platzierten Bildes. Wer ein kleines Foto vergrössert oder einen engen Ausschnitt verwendet, reduziert die verfügbaren Bildpunkte pro Zentimeter. Eine höhere eingetragene dpi-Zahl allein erzeugt keine zusätzlichen Bilddetails.

Papiermass ist nicht gleich sichtbare Fläche

Beim Leuchtplakat kommt ein weiterer Punkt hinzu: Ein Teil des bedruckten Papiers liegt hinter dem Rahmen.

Für F200L gilt ein Papiermass von 119 × 170 cm, während die sichtbare Fläche 116 × 166 cm beträgt. Texte, Logos und andere wichtige Inhalte brauchen deshalb genügend Abstand zum Rand. Wer hier zu eng layoutet, erfährt unschöne Überraschungen.

Für die Gestaltung zählen somit drei unterschiedliche Grössen: das Datenformat, das fertige Papiermass und die tatsächlich sichtbare Fläche.

Und wie viel Beschnitt braucht es?

Auch hier hilft keine pauschale Zahl. Die Druckerei muss festlegen, wie viel Beschnitt sie benötigt und ob sich diese Angabe auf das verkleinerte Datenformat oder das Endformat bezieht.

Schon ein Millimeter im kleinen Layout wird bei fünffacher Vergrösserung zu fünf Millimetern auf dem fertigen Plakat.

Mein Tipp: Vor dem Gestalten das passende Datenblatt oder die Layoutvorlage der ausführenden Druckerei anfordern. Darin sollten Endformat, Massstab, Bildauflösung, Beschnitt und Sicherheitsabstände eindeutig festgelegt sein.

Altes Druckwissen, das heute noch hilft

Mutterlithos erinnern an eine Zeit, in der zwischen Entwurf und fertigem Plakat fotografische Filme und mehrere Reproduktionsschritte lagen. Heute übernimmt digitale Technik einen grossen Teil dieser Arbeit.

Die grundlegenden Fragen bleiben: In welchem Massstab ist das Layout aufgebaut? Reicht die Bildauflösung nach der Vergrösserung? Und welcher Teil des Motivs ist am Ende sichtbar?

Wer diese Zusammenhänge kennt, versteht auch, warum eine Datei von 24,5 × 35 cm die richtige Vorlage für ein 170 cm hohes Plakat sein kann.

Planst du eine Plakatkampagne? Als Druckmanager unterstütze ich dich dabei, Gestaltung, Druckdaten und Produktion aufeinander abzustimmen – damit dein Motiv auch im Grossformat überzeugt.